SEI DU Conny Six
SEI DU   Conny Six 

 

Liebe Seele, 

 

wir sind uns keine fünf mal in diesem Leben begegnet und doch durfte ich heute bei Deinem Abschied dabei sein. Der Himmel wurde verdeckt von den Wolken, die verhindern wollten, das die Sonne sich zeigt. Stürmisch fegt der Wind durch die Kleidung der Menschen, die sich von Dir verabschieden. 

 

Ich sehe Deine Eltern, Deine Brüder und ich sehe Deine Kinder, Deinen Mann. Sie versuchen nicht zu weinen, versuchen stark zu sein. Doch warum und für wen?

In mir staut sich ein Meer aus Tränen und ich weiß, ich muß mich jetzt einfach schützen. 

Es ist nicht meine Trauer, nicht in diesem Ausmaß, nicht in dieser Stärke. Aber ich fühle es, ein zu eins. Doch wie soll ich mich vor so vielen Gefühlen schützen, die von Herzen kommen ? Wie soll ich nicht mit fliegen wollen, wenn alle Seelen auf Erden Dich nach Hause geleiten wollen? Und doch bin ich nur ein Gast, die Frau des Mannes, der Dein Cousin ist.

 

Ich ziehe meinen Steinkreis um mich und stelle mich in ein weißes Feuer, das mich schützt.

Ich bitte meine geistigen Begleiter ganz nah zu mir und ich bitte die Engerl um Hilfe. Für die, die es nicht zu ertragen scheinen, das Du nicht mehr bist. Ich bitte um Schutz für die Seelen, das sie nicht aus dem Körper fliehen, um bei Dir zu sein.

 

Deine Familie braucht himmlischen Beistand, sie braucht Unterstützung von der geistigen Welt. Doch dies mache ich in mir, mit mir. In Gedanken bitte um Hilfe. Für all jene die Trauern. Ich habe das Gefühl, das Du der Wind bist. Das Du so Deinen lieben sagen möchtest, Du bist noch da. Nur eben auf einer anderen Ebene.

 

In der Kirche sitze ich mit vorn,weil die Familie vorn sitzt. Die ganze Trauer scheint wie eine Welle nach vorn zu schwappen. Nach vorn, wo Dein Bild steht. Ich schaue es an und ich sehe eine wunderschöne Frau, ich sehe Liebe in Deinen Augen und ein zartes Lächeln. Du strahlst so auf dem Bild, das es schwer ist, sich Dir zu entziehen.

Vor mir sitzen Deine Eltern und daneben Deine Jungs, der Jüngste schaut den Papa an, und fragt ob es geht. Denn Dein Mann durchläuft ein Vulkan, in dem er zu verbrennen droht in seiner Trauer. Diese Szene wird mir ewig im Herzen bleiben. Der Sohn stützt den Papa. Während ich dies beobachte, habe ich das Gefühl, Du steht zwischen Deinen Söhnen und hast je einen Arme um sie gelegt. Spüren sie Dich ? Ich wünsche es ihnen so sehr, das ihnen das möglich ist. 

 

Der Diakon erzählt mit wunderschönen Worten von Deinem Leben, einen kleinen Teil Deines Lebens mit einem liebenden Hauch Deiner Familie. Nach der Kirche gehen alle Trauergäste nach draußen, um Dich zu begleiten, um den Körper zur letzten Ruhe zu betten. Und wieder habe ich das Gefühl, Du bist bei den Deinen. So gern würde ich es ihnen sagen, aber in dieser Stunde, an diesem Ort ist es kein Trost. So viele Menschen geben Dir die letzte Ehre, so viele Menschen segnen die Erde und so viele Blumen regnet es. Unzählige Tränen und leise schluchzer vermischen sich mit dem Wind, der um die Kirchenmauer pfeift. All unsere Knochen sind durchgefroren, die Herzen werden immer kühler, es scheint, die Zeit steht still und den Menschen geht die Wärme verloren.

Im Anschluss wärmen wir uns im Gasthof auf, manche trinken Tee oder heißen Kakao. Kaum haben alle ihren Platz gefunden, wird es heller im Raum. Die Sonne schafft es, sich zu zeigen mit wenigen und doch sehr hellen Strahlen. Genau in dem Augenblick, als ein Gast sagt, es sei eine sehr schöner Abschied gewesen. Und alle waren sich einig, Du schickst einen Gruß. 

 

Heute habe ich soviel Liebe gespürt, die Dich nach Hause begleitet hat, in das Land des Lichts. Und ich habe Deine Liebe gespürt, die sich in den Herzen wieder spiegelt. 
Liebe Seele, was kann ich Dir wünschen, das in der Erfüllung möglich ist ? Ich wünsche Dir, das Dich Deine Lieben spüren,bist Du in ihrer Nähe.