SEI DU Conny Six
SEI DU   Conny Six 

 

Der Indianer

 

 

Alles ist gut.

Es ist so, wie es sein soll.

Den Moment kann ich jetzt nicht ändern.

 

Wer kennt diese Sätze nicht

Oder :

Ja, eigentlich geht es mir ganz gut.

Oder :

Im Prinzip ist alles in Ordnung.

 

Natürlich sage ich diese Sätze auch.

Warum ?

Nenne es ruhig Selbstschutz.

Nicht, weil ich die Wahrheit nicht kenne oder erkannt habe, eher weil ich es nicht ganz in Worte fassen kann, weil ich es nicht beschreiben kann.

Ich fühle es, mit jeder Faser meines Herzen.

Doch bevor es da angekommen ist, dieses Gefühl, war es schon in meinen Gedanken.

Vielleicht nicht in vorderster Linie, das wäre zu einfach, denn da käme ja gleich eine Lösung mit.

 

Es ist eher wie ein ganz leises, sanftes Anschleichen eines Indianers, den man wahrgenommen hat.

Den man aus den Augenwickeln im Schatten registriert hat, aber eben auch so wieder verschwindet.

Und dann erschreckt man sich, man wundert sich, wo denn dieser Indianer her kommt.

Von Angesicht zu Angesicht steht man sich gegenüber und man überlegt doch tatsächlich, wegzulaufen.

Ich überlege wegzulaufen.

Dieser Indianer aber, der dieses Gefühl ist, wird bei mir bleiben.

So schnell und so weit kann ich gar nicht rennen, um dem zu entkommen.

 

Nein, es tut nicht weh.

Nein, es ist nicht so schlimm.

Nein, es wird schon wieder werden.

 

Ich weiß um die Verneinung.

Und doch ist es eine Überlegung wert.

Ich muß - nicht ich darf - darüber nachdenken, was ich will und wo ich sein will.

Alles was sich zeigt, was gefühlt wird, hat einen Sinn.

Wichtig ist, hin schauen, hin horchen und hin spüren.

 

Ist es jetzt im Augenblick ein Stück der Ewigkeit ?

Ist die Zukunft schon angekommen und klopft an mein Seelenhaus ?

Der Indianer lächelt mir zu, kaum wahrnehmbar.

Weißer kalter Rauch umhüllt uns beide und er nimmt mich mit, auf eine Reise in seine Heimat.

Fernab von dieser Welt und doch so nah am Herzen.

Wir berühren die Energien, die uns umgeben aus jeder Zeitlinie.

Er zeigt mir, was war und er zeigt mir was ist.

Aber er zeigt mir nicht, was sein wird.

Denn die Zukunft ist zwar geschrieben, aber in dem Buch des Lebens kann nur ich die Seiten umblättern.

Wir sind beide schwerelos zwischen allem und doch verwurzelt mit dem Leben.

Er läßt mich fühlen, was ich im Außen nicht weiß.

Wir berühren uns an den Schultern, sehen durch die Augen hindurch zu den Seelen und ich weiß, ich bin er und er ist ich.

 

Alle Antworten sind in mir.

Jedes Wissen aus Urzeiten ist gespeichert.

Auf der Schwelle der Welten gehe ich in eine Richtung, die in jede Zeit führen kann.

 

Ich habe ein Teil von mir wiedergefunden, ein Stück altes Leben kam zurück.